Offenlegung Brief an Bezirksbürgermeister Sören Benn

Die Parkfreunde haben sich vor einem Monat, am 10. Juni 2017, schriftlich an unseren Bezirksbürgermeister Sören Benn gewandt. Das unten angefügte Anschreiben blieb bis heute ohne Eingangsbestätigung und Reaktion.


Anschreiben Sören Benn
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Akute Probleme Park am Weißen See & Zukunftsentwicklung eines Parks unter Intensivnutzung

Sehr geehrter Herr Benn,

Aufgrund der Probleme rund um das Strandbad am Weißen See haben Sie diese Parkanlage mit ihrem Badesee und ihrer Plansche in den letzten Wochen sicherlich kennen gelernt.

Wir, die Parkfreunde Weißensee, ein in der Eintragung befindlicher gemeinnütziger Verein (Anmerkung: Der Verein ist mittlerweile im Vereinsregister des Amtsgerichts Charlottenburg unter VR 35907 eingetragen), kümmern uns seit 2016 im Interesse von derzeit gut 150 Anwohnern aus allen möglichen sozialen Schichten um die bedenklichen Zustände rund um den See und die Parkanlage.

Da Nachfragen und Bitten bei politischen Vertretern aller Fraktionen, sowie unzählige Anrufe und Rückfragen von Anwohnern bei verschiedenen Vertretern des Bezirks-, Straßen-, Grünflächen- und Umweltamtes seit nunmehr zwei Jahren ohne jegliche Intervention blieben, möchten wir die brisante Situation rund um den Weißenseer Park nun gerne mit Ihnen besprechen und nach kurz- sowie mittelfristigen Lösungen suchen.

Als Anwohner und Liebhaber des Parks möchten wir an dieser Stelle positiv hervorheben, wie gut aus unserer Sicht das Pilotprojekt mit der BSR funktioniert.

Gerne möchten wir die Problembereiche getrennt nach Kurz- sowie Mittelfristbedarf skizzieren:

Kurzfristiger Handlungsbedarf

• Fehlende nachhaltige Bestreifung durch Polizei und Ordnungsamt, besonders bei stabilem Wetter nachmittags/abends, in Ferienzeiten, sowie an Wochenenden und Feiertagen: Durch die fehlende Bestreifung wird die Parkordnung nicht im Ansatz durchgesetzt. Höchst bedenklich ist das umfangreiche Grillen im Park bei großer Hitze und Trockenheit unter dem über 150 Jahre alten Baumbestand. Offensichtlich wird hier der erste Großbrand abgewartet.

• Der Wasserstand des Weißen Sees ist in den letzten Jahren unter den Augen aller zuständigen und informierten Ämter um ca. einen Meter gesunken. Wir gehen davon aus, dass dem See zwischen 60.000 und 110.000 Qubikmetern Wasser fehlen. Hierzu haben wir Auskünfte aus Ihren Ämtern eingeholt und uns mit der Senatsverwaltung Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Verbindung gesetzt. Es liegt uns eine Antwort von Herrn Dr. Creutzfeldt vor, der die Zuständigkeit klar an den Bezirk abgibt.

• Bereits im Jahr 2003 ist der See nach nur einem heißen Sommer komplett gekippt. Dieser Zustand ist in sehr naher Zukunft wieder absehbar. Dem Strandbad würde damit die Existenz endgültig entzogen und das Naturdenkmal Parkanlage am Weißen See wäre auf Jahre erheblich geschädigt. Nach groben Schätzungen wäre eine durch Sie und Ihre Mitarbeiter unterstützte Sofortmaßnahme nötig, um den See im ersten Schritt zu retten: Wasserzufuhr über einen Feuerwehrschlauch für 30 Tage/24 Stunden durch die Berliner Wasserbetriebe und das THW oder die Feuerwehr.

• Sanitäre Anlagen sind mit Ausnahme derer des Strandbades nicht vorhanden. Das ist in jedem Busch und auf jedem Weg zu sehen und zu riechen und trägt weder zur Hygiene noch zum Wohlbefinden bei. Der See und der Uferbereich, sowie jegliche Art von Grünanlagen werden nachhaltig geschädigt. Mit einer Notmaßnahme durch provisorische Toiletten an ausgewählten Standorten außerhalb des Strandbades könnte hier Abhilfe geschaffen werden.

Mittelfristiger Handlungsbedarf

• Sanierung des ersten und Instandsetzung des zweiten Tiefbrunnens zur dauerhaften und nachhaltig ausreichenden Befüllung des Sees.

• Ausschreibung und Vergabe eines umfassenden geologischen und ökologischen Gutachtens zum Zustand des Gewässers und seiner Erhaltung.

• Schaffung von öffentlichen Toiletten. Standortvorschläge wären das ehemalige Wildgehege nahe der Plantsche und des Spielplatzes, sowie in der Nähe des Paddel- und Ruderbootverleihs.

• Teilrenaturierung der Uferbereiche z.B. durch Schilf zur Wiederherstellung der vernichteten Nistplätze diverser Tierarten, zur Sicherung der nachhaltigen Wasserqualität und zum Schutz von Teilen der Uferbereiche.

• Dauerhafte Aufrechterhaltung der Reinigung durch die BSR

• Wiederherstellung und Intensivpflege durch Beschnitt und Bewässerung von vernichteten Grünwiesen und anderen Grünbereichen.

• Wiederherstellung und dauerhafte Pflege von Bänken, Wegen, Parkbeleuchtung und sonstiger zentraler Elemente des Parks.

Zusammenfassend: der Park muss in Pflege, Unterhalt und Betrieb der bestehenden dauerhaften Intensivnutzung durch Besucher aus umliegenden Bezirken, Touristen und Anwohnern angepasst werden. Wir gehen stark davon aus, dass durch die sehr gute Anbindung an den ÖPNV, den vermehrten Zuzug und die dadurch weiter steigende Bautätigkeit sowohl das Gewässer als auch der Park unvermindert starker Beanspruchung ausgesetzt sind.

Lieber Herr Benn, sehr gern würden wir uns dazu zeitnah mit Ihnen entweder in einer kleinen Runde oder auch in einem großen Forum austauschen.

Wir möchten betonen, dass wir uns auch  mit eigener Kraft und mit eigenen Ideen für die Rettung der Parkanlege am Weissen See einsetzen wollen und werden.

An uns wurden bereits konkrete Vorschläge wie Petitionen und Bürgerbegehren herangetragen. Von der Unterstützung dieser Initiativen möchten wir jedoch im Moment absehen, da wir auf eine baldige und effiziente politische und vor allem pragmatische Lösung bauen.

Mit besten Grüßen im Namen der Parkfreunde.
Berlin, den 12.04.17

Tibor Bogun (1. Vorsitzender)     Sebastian Aman (2. Vorsitzender)      Andre Pfeifer (Schatzmeister)