Breaking Bad: Neue Pumpe, alter Brunnen und schwerste Belastung des Seegrundes

Liebe Parkfreunde

Wir hoffen Ihr seid alle gut durch den Sommer gekommen. Für die Eltern schulpflichtiger Kinder läuft der Alltag bereits wieder, allen Familien mit Schulanfängern wünschen wir einen guten Start in die erste Schulwoche, sowie allen WeißenseerInnen einen schönen Spätsommer!

Das Wasser im See steht erfreulich hoch. Wenn man den sintflutartigen Wasserfällen der vergangenen Monate etwas positives abgewinnen möchte, dann das. Doch Vorsicht: der schöne Schein trügt, denn das Grundproblem ist ja bis heute nicht behoben.

Wir freuen uns sehr, daß die Grundwasserpumpe diesen Sommer ausgetauscht, sowie Schlammfang und Zuleitung zum See gespült wurden. In spätestens drei Jahren jedoch wird sich der bestehende Brunnenschacht so zugesetzt haben, daß er nicht mehr nutzbar ist und rückgebaut werden muss. Das geht aus einer ›Kleinen Anfrage‹ (N° KA-0178/VIII) an das Bezirksamt Pankow vom 18.08.2017 hervor:

Wie und in welcher Menge wird derzeit Wasser in den Weißen See gespeist?

Derzeit werden pro Woche bis zu 1665 m3 Grundwasser in den Weißen See geleitet (37 Stunden x 45 m3/Std. theoretische Förderleistung der Pumpe). Eine Ablesung der tatsächlich geförderten Wassermenge nach dem Austausch der Grundwasserpumpe ist bisher noch nicht erfolgt.

Wurden an derPumpe und/oder der Druckleitung zum See Sanierungs- oder Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt? Wenn ja welche und wann letztmalig?
Die bisherige Grundwasserpumpe wurde Mitte Juli 2017 erneuert. Der Schlammfang im Druckentspannungsschacht sowie die Zuleitung zum See (freier Auslauf) wurden gereinigt und durchgespült. Die Kosten dafür beliefen sich auf etwa 10.000 €. Die alte Pumpe soll generalüberholt und als Ersatzpumpe bereitgestellt werden.

Der bestehende Grundwasserbrunnen am ehem. Rehgehege hat sich zum größten Teil durch Sedimente zugesetzt, sodass derzeit nur noch 1/3 der eigentlichen Filteroberfläche nutzbar ist. Durch die intensive Nutzung wird sich die bestehende Restkapazität in den nächsten 2 – 3 Jahren wieder so weit zusetzen, dass der Brunnen zurückgebaut und das Bohrloch verschlossen werden muss. Der Filtermantel kann technisch nicht mehr gespült und gereinigt werden. Die Kosten für den Rückbau des knapp 40 m tiefen Brunnens belaufen sich auf ca. 20.000 €. Für eine Ersatzbohrung ist eine Genehmigung der oberen Wasserbehörde erforderlich. Die Kosten für eine Ersatzbohrung im Umfeld des bestehenden Grundwasserbrunnens werden auf ca. 70.000 € geschätzt. Dadurch könnte der bestehende Druckentspannungsschacht und Einleiter in den See weiterhin genutzt werden.

Im Park am Weißen See gibt es noch einen 2. Brunnen, der für die Bewässerung der Grünfläche erforderlich wäre, jedoch nicht mehr unterhalten werden konnte und schon seit vielen Jahren außer Betrieb ist. Die Filter des Brunnens sind noch älter und lassen sich nicht mehr Reinigen. Für diese Grundwasserbohrung besteht die Auflage der Oberen Wasserbehörde den Brunnen zu schließen und zurückzubauen.

Die alternative Befüllung des Sees mit Größeren Mengen an Trinkwasser ist schon wegen der ungünstigen Beeinflussung der Teichbiologie keine echte Option.

Zu welchem Preis kann der Bezirk Pankow bei den Wasserbetrieben Wasser zur Befüllung des Sees einkaufen (Löschwasser oder ähnliches zum Zufluss über einen Hydranten)?

Der Wasserpreis liegt bei 1,694 €/m3. Hinzu kommen Kosten für die Bereitstellung des Wasserzählers, die je nach Durchflussenge/Abnahmemenge unterschiedlich sind. Der nächstgelegene Trinkwasseranschluss liegt im Bereich der Plansche. Eine direkte Zuleitung zum See besteht nicht und müsste bei einer regelmäßigen Zuführung von Trinkwasser erst baulich hergestellt werden. Es bestehen Bedenken gegen die Einleitung größerer Mengen von Trinkwasser, da dadurch die bestehende Teichbiologie nachteilig beeinflusst werden kann.

Da der zugesetzte Brunnenschacht in spätestens drei Jahren rückgebaut werden muss, gibt es BEREITS HEUTE Handlungsbedarf: Die Finanzierung des Rückbaus sowie der Ersatzbohrung muss rechtzeitig im Haushalt eingestellt werden – ebenso müssen die Genehmigungsplanung und alle notwenigen behördlichen Schritte JETZT in die Wege geleitet werden. Wenn das nicht rechtzeitig geschieht, hat der Weiße See spätestens 2020 keinerlei Wasserzufuhr mehr. Die Folgen sind bekannt und wären verheerend, denn es geht noch weiter:

Das Sediment des Weißen Sees ist schwerst belastet mit Mineralölkohlenwasserstoffen, Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und Pestiziden. Ausserdem mit Arsen, Blei, Cadmium und Zink. Die Sedimentstärke beträgt bis zu 5 Meter.

Wann wurde der Grund des Sees letztmalig untersucht (Menge & Qualität des Schlammes ab Boden des Sees)? Mit welchem Ergebnis?

Im Jahr 1992 erfolgte durch das Labor Dr. Fechter eine Sondierungsuntersuchung zur Beschaffenheit der Sedimente. Ergebnisse zum Sediment des Weißen Sees erbrachten, das sich in der Tiefenschicht eine flächige Belastung mit Mineralölkohlenwasserstoffen, PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) und Pestiziden befindet. Darüber hinaus sind Gehalte an Arsen, Blei, Cadmium und Zink im Sedimentkern vorhanden. Eine Schlammentnahme kommt aufgrund der Tiefenverhältnisse, der zum Teil überaus hohen Belastung der Sedimente, des organischen Anteils und der daraus folgenden, nicht zu bewältigenden Entsorgungskosten für kurz- bis mittelfristige Sanierungsüberlegungen nicht in Betracht. Durch die Waterman GmbH wurde 2003 eine Untersuchung zur Schlammmächtigkeit des Weißen Sees durchgeführt, die feststellte, dass die Sedimentmächtigkeiten bis teilweise über 5 m liegen. Neuere Untersuchungen speziell zum Sediment sind nicht bekannt.

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Das sind leider keine besonders guten Neuigkeiten und zeigt, daß uns Parkfreunden Weißensee die Themen für die kommenden Jahre nicht ausgehen werden. Die Erfolge, die wir mit unserer Vereinstätigkeit bereits erzielen konnten, etwa den Austausch der Grundwasserpumpe und die Spülung der Zuleitung, möchten wir aber nicht unerwähnt lassen. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, zahlreiche Interviewtermine, Präsenz in den Ortsverbänden der Parteien und kulturelles Engagement vor Ort, wie etwa durch unseren Sommerbiergarten bewirken viel.

Danke an alle Unterstützer, interessierte Weißenseer und natürlich unsere Fördermitglieder. Gemeinsam kommen wir voran und halten den See, den Park und die Kultur am Leben!