Dem Weißen See in Pankow geht das Wasser aus

© Thomas Schubert
Wassermangel am Weißen See: Tibor Bogun von den Parkfreunden Weißensee sieht den schleichenden Ausfall der Pumpe mit Sorge.

Berlin. An guten Tagen, da sprudelt es in Pankow vor der kleinen Röhre im Weißen See wie in alten Zeiten. Aber inzwischen sind die meisten Tage schlechte – dann bleibt der einzigen Wasserzufluss zum See trocken. Und was das bedeutet, sieht man dem gesellschaftlichen Mittelpunkt und Namensgeber des Pankower Ortsteils am Ende des zweiten trockenen Sommers in Folge an.

Wasserstand im Weißen See in fünf Jahren mehr als einen Meter gesunken
Tibor Bogun weist auf den Uferstreifen, der karg und sandig in der Sonne leuchtet. „Es gab sogar schon Zeiten, da war das Wasser am Ufer um vier Meter zurückgegangen“, erinnert der Vorsitzende der Parkfreunde Weißensee – ein Zusammenschluss aus Nachbarn, die sowohl die Grünanlage als auch das fast kreisrunde Gewässer in ihrer Mitte attraktiv halten wollen. Und intakt. So kann man die letzte verblieben Wasserpumpe allerdings nicht bezeichnen. „Sie läuft nur noch bei 20 bis 30 Prozent ihrer Leistung“, nennt Bogun die Ursache des Problems. Während er das sagt, stellt die Pumpe – sie liegt etwa zweihundert Meter östlich des Restaurants „Milchhäuschen“ – ihren Dienst wie auf einen Kommando ein.

Toilettenmangel animiert Besucher am Weißen See zum Wildpinkeln
Droht der Weiße See auszutrocknen? Dieses Szenario halten Experten des Bezirksamts Pankow für übertrieben. Jeden Monat sinkt der Pegel um ein bis zwei Zentimeter. An der tiefsten Stelle misst man gut 8 Meter, während es 2014 9,50 Meter waren. Auch die Parkfreunde Weißensee gehen nicht davon aus, dass Weißensee künftig auf den Weißen See verzichten muss. Andererseits sei die zweite Wasserpumpe am gegenüberliegenden Ufer schon seit Jahren kaputt. Und mit dem niedrigeren Wasserstand leide die Qualität. Hier kommt das zweite große Problem des Weißen Sees hinzu. Es gibt nur eine funktionierende Toilette – die liegt im Keller des „Milchäuschens“. Wer sie benutzen möchte, muss dem Wirt, der nicht einsieht, das einzige WC zu betreiben, einen Euro zahlen. Und so erleichtern sich wohl nicht wenige der vielen Tausend Parkbesucher an warmen Tagen im Wasser.

Weißer See erholte sich nur schwer vom Hitzesommer 2003
„Der See könnte umkippen“, meint Bogun. Das geschah im Hitzesommer von 2003 schon einmal, wie den Protokollen des Landesamts für Gesundheit und Soziales zu entnehmen ist. „In diese Phase fallen Grenzwertüberschreitungen bei bakteriologischen Parametern. Nach Stabilisierung der Grundwassereinspeisung verbesserte sich der bakteriologische Status des Weißen Sees deutlich“, heißt es im Lageso-Bericht. Das dauerte wegen der damals schon schwächelnden Pumpe aber Jahre.

Der Weiße See, umgeben von einem Park, ist einer der beliebtesten Erholungsorte im Bezirk Pankow – und Namensgeber eines Ortsteils. Foto: ©Thomas Schubert

Echte Abhilfe kann nur der Bau eines neuen Brunnens schaffen, sagt Pankows Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne). „Die alte Pumpe versottet immer mehr, so nur noch wenig Grundwasser in den See gefördert wird. Bei diesem trockenen Wetter ist die Verdunstung enorm“, sieht Kuhn dringend Handlungsbedarf. Aus dem Haushalt des Bezirksamts ist der Neubau, der bis zu 50.000 Euro kosten würde in den nächsten drei Jahren nicht bezahlen. Kuhns Hoffnungen ruhen darauf, dass der Senat Geld aus dem Sondervermögen für die Wachsende Stadt (Siwana) bewilligt. Einen Antrag habe man gestellt – mit offenem Ausgang.

Wasserschwund und Schwermetalle am Grund
Neben dem Weißen See fallen derzeit auch andere bekannte Gewässer mit niedrigem Pegelstand auf. So sank dir Oberfläche des Groß-Glienicker Sees in Spandau in den vergangenen 15 Jahren um 1,20 Meter, weil es an Regen mangelt und der Grundwasserstand fällt. Am Lietzensee in Charlottenburg klafft derzeit eine auffällig große Lücke zwischen dem Einlassrohr und Wasseroberfläche. Ob es technische Probleme oder natürlich Ursachen gibt, konnte der zuständige Stadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) am Mittwoch nicht sagen.

Im Fall des Weißen Sees liegen die Probleme tiefer – im wahrsten Sinne des Wortes. Auf dem Grund haben sich im Laufe der Jahrzehnte Schwermetalle abgelagert. Das inzwischen bis zu Meter dicke Sediment sei mit Mineralölkohlenwasserstoffen, Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und Pestiziden belastet, fand ein Labor schon in den 90er-Jahren heraus. Außerdem gebe es Spuren von Arsen, Blei, Cadmium und Zink.

Noch wirkt sich dieser „Bodensatz“ nicht auf die Wasserqualität in den oberen Schichten aus, dürften aber Mittelfristig zum Problem werden, befürchten die Parkfreunde Weißensee. Abhilfe könnte nur eine totale Sanierung des Sees mit dem Abbaggern des belasteten Sees bringen. Dann gehen die Kosten nicht nur in die Zehntausende, sondern in die Millionen.