Oje, Weißer See, bist Du noch zu retten?

© Stefanie Herbst
Tibor Bogun (46) und Sebastian Aman (39, Pullover) setzten sich dafür ein, dass der Wasserpegel des Weißen See nicht weiter sinkt.

Der Wasserstand sinkt weiter bedrohlich. Jetzt nehmen Anwohner und Gewerbetreibende das Problem selbst in die Hand.

Von Alina Gröning.

Der Weiße See, der dem Pankower Ortsteil Weißensee seinen Namen gab, ein beliebter Naherholungsort und Ausflugsziel für Touristen und Berliner, droht auszutrocknen. Weil der Bezirk und das Land Berlin nicht helfen können, werden Anwohner und Gewerbetreibende jetzt selbst aktiv.

„Die Pumpe vom Tiefbrunnen zum See ist verschlammt, deswegen kommt nur ein Bruchteil des Wassers an, das eigentlich ankommen sollte“, sagt Tibor Bogun (46) vom Verein Parkfreunde Weißensee.

In den letzten drei Jahren ist der Wasserstand bereits um rund einen Meter zurückgegangen. Bäume rund um das Gewässer entwurzeln, weil der Gegendruck vom See fehlt und sie keinen Halt mehr finden. Bogun: „Dadurch gehen auch Vogelnistplätze verloren. Wir haben bereits einen Bürgerantrag eingereicht und wollen etwas unternehmen.“

Beim Blumenfest, das dieses Wochenende rund um den Weißen See stattfindet, will der Verein Fördermitglieder gewinnen. „Wir sind auf Hilfe von außen angewiesen, um langfristig etwas unternehmen zu können. Durch eine Sammelaktion könnte zum Beispiel die Schlammschicht im See mit einem Boot ausgehoben oder die Sanierung der Pumpe selbst in die Hand genommen werden“, so Bogun.

Keine Schwimmkurse möglich
Für Strandbadbetreiber Alexander Schüller (33) bedeutet der abnehmende Wasserstand noch ganz andere Probleme: „Wir wollten in diesem Jahr Schwimmkurse anbieten. Im Frühjahr mussten wir die Idee verwerfen.“

Noch vor viereinhalb Jahren hätten sechs von acht Treppenstufen zum Nichtschwimmerbreich im Wasser gelegen, heute gar keine mehr. Schüller: „Die Kinder haben keinen Spaß mehr beim Planschen. Das Wasser ist vielleicht noch knöcheltief, an einigen Stellen kommt der Sand durch – es ist nicht mehr als eine große Pfütze.“

Als er sich an den Bezirk wendet, verweist ihn dieser an das Land Berlin und landet schließlich beim Finanzsenator. „Letzten Endes bekam ich die ernüchternde Antwort, dass Berlin Sparauflagen unterliegt. Die Einleitung von Gegenmaßnahmen könnte Jahre dauern“, so Schüller.

Spendenprojekt gestartet
Deswegen hat der Strandbad-Chef sich jetzt mit drei weiteren Gewerbetreibenden zusammengeschlossen und das Spendenprojekt „Gemeinsam retten wir den Weißen See“ gegründet. In Spendendosen und über ein über den Bezirk laufendes Konto werden Gelder gesammelt.

Schüller: „Wir wollen eine einmalige Einspeisung des Sees mit 50.000 Kubikmeter Wasser und die Sanierung der Pumpe und des dazugehörigen Tiefbrunnens veranlassen. Wenn dem Bezirk und dem Land die Hände gebunden sind, müssen wir halt selbst aktiv werden.“